Zuneigungen der Pandemie

- ein Essay über eine (un)klare biographische Kartierung in Rahmen einer Pandemie

Eine Pandemie öffnet uns die Möglichkeit die Trennung zwischen kollektiven und individuellen Raum zu hinterfragen. In Sozialabstand zu sein, zeigt uns radikal, wie wir voneinander abhängig sind, wenn man nicht ständig will, mit sich selbst zu beschäftigen. Kein sozialer Kontakt heißt keine Verbreitung der Krankheit, meint die westliche Wissenschaft. Auf sich aufzupassen bedeutet dann umgekehrt auf anderen aufzupassen und dadurch schützt uns die Solidarität. Solidarisch zu bleiben wird eine Bedingung für den Wohlstand (oder Überleben?!) von allen. Auf der Andere Seite wird anhand der Krise sichtbarer, wie das Leben bereits vor der Pandemie in einer Art freiwillige sozial Abstand lief. Der Egoismus des individuellen Wunsches herrscht wegen der Ideologie des Neoliberalismus über den Affekten und Alltagen. Das heilige Wort Individualismus - und gleichzeitig verdammt für andere - kümmert sich jeden von uns um eigene Sachen. Arbeiten, Geld, vielleicht Familien und Freunden pflegen.... All das soll Teil eines normalen westlichen Alltages sein. Immer wählerisch, kalkuliert, geplant und organisiert. Uns wird das oft gesagt durch die verschiedenen Strukturen, die unseres Lebens bestimmen. Fern von anderen Menschen zu leben, um die Ansteckung zu vermeiden, ist in gewisser Weise eine bestimmte Radikalisierung eines Individualismus, in dem sich jeder mit sich selbst beschäftigt und dadurch weniger Ansteckungen gegeben werden. Unter der Pandemie soll man radikal allein sein, radikal körperlichen Abstand nehmen, radikal nicht neben anderen sein. Zu fragen ist: Inwieweit haben wir nicht schon seit einiger Zeit versucht, unabhängig einer Pandemie zu anderem Abstand zu schaffen? Zuneigungen oder Emotionen in Beziehungen zu vermeiden oder Keine Schwäche auszudrucken. Kalt spielen - Weißt du, was ich meine? - Zeigen das jeder von eigenen Leben verantwortlich ist, das ist Meritokratie. Wenn man sich keine Mühe gibt, dann verdient man nichts. Individuelle und kollektive Verantwortung sind doch voneinander abhängig, aber bis das günstige Flugticket nach Barcelona als Angebote ankommt. Yeah baby your choice 😊

Zahlreiche Freunden auf sozialen Netzwerken sollten Gemeinschaft und Solidarität noch stärken. Sweet Illusion! Die Pandemie machte unseren sozialen Bubbles noch kleiner, noch seltener, schließlich noch kaputter, da wir endlich merken könnten, wie vielen Personen wirklich Kontakt zu uns haben. Uns wird eigentlich gezeigt, wie wir schon unabhängig der Pandemie allein sind, obwohl alle sich glücklich und erfolgreich auf Internet abbilden wollen. Die folgende Frage wäre dann, ob wir anhand der Krise wenig oder mehr für anderen Mensch interessieren oder weiter unter uns - individuell und engere Freundeskreis - bleiben wollen. Oder sollte die Argumentation vollkommen umgekehrt gedacht werden? Während der Krise sind wir weiter solidarisch geblieben (geworden?) und versuchten immer weiter Kontakt und Begegnung, trotz körperlichen Abstands zu fördern. Dann könnte die Krise unser besseres Potenzial endlich mal Raum geben. Oh wie geil! Wir hören dann trotz der Schwierigkeiten nie auf, an den anderen zu denken. Wir gehen dann weiter in den guten Weg.  Mit Hilfe dieser beiden Polen möchte ich den Leser nur bitten, über die eigene Position nachzudenken... Macht uns eine Pandemie eher individualistisch oder solidarisch?

I m sorry... so dualistisch, bzw. zynisch, will ich überhaupt nicht weiter argumentieren.  Wie kann ein Künstler durch eigene Arbeit das Gefühl von nähe schaffen? Egal ob es angenehm oder unangenehm wird, wie versucht er irgendwie eine gewissen Relation zwischen Körper und Raum zu geben, damit man sich weiter erinnert, dass die Beine noch da sind? Bei mir steht zu hinterfragen, ob dies nicht genau der Kern der darstellenden Künste ist, d.h. die Schaffung neuer - bzw. anderen -  Seins-, Handlungs-, Beziehungs- und Lebensstrategien, immer unter Berücksichtigung der Wahrnehmung im öffentlichen Raum? Einigen bevorzugen die eigenen möglichen Identitäten zu bestätigen, andere kümmern sich um die mögliche Zukunft, andere wollen mit allen möglichen Arten von Gewalt Ende machen..... Ich bleibe skeptisch, wenn keiner von denen das grundlegende Argument des Aufbaus von Kollektivität aus der Tasche zieht, damit wir offen bleiben für die Entdeckung anderer ways of being together. Saying enough! is not enough! Dizer que Basta! não é o bastante!

Das Projekt Kartographie der Zuneigungen der Pandemie untersucht in Bilder, Montagen, Video und Texte die Schaffung von Sinnen sowohl im realen Kontext des Lebens unter einer Pandemie als auch im künstlerischen, bildhaften, repräsentativen und performativen Kontext und führt so intensive Überschneidungen zwischen künstlerischer Praxis und Alltagsleben durch. Dabei sind auch textdramaturgische Versuche, die sich zwischen autobiographischem Schreiben, wissenschaftlichem Zitieren und der Fiktionalisierung realer autobiographischen Ereignisse bewegen. Die Texte artikulieren Diskussionen über die Wiederherstellung des ökologischen Gleichgewichts, nicht-koloniale Lebenspositionen und den Wunsch nach radikalen demokratischeren politischen Formen. Jaja, es ist einfach zu viel für ein einziges Projekt. But all of this are my urgencies! Please let me explain it.

Es geht nicht darum, einen journalistischen Ausschnitt aus den großen globalen Diskussionen zu machen, die während der Pandemie en vogue waren, sondern es geht darum, visuell darzustellen, was für mich als ein süd-amerikanischer Körper während der Zeit des Sozialabstandes in Europa am latentesten, offensichtlichsten und dringendsten war. Nur durch diese Übung, nämlich Kartierung, die meine Dringlichkeiten, meine autobiografischen Themen grafisch darstellte, konnte ich mich mit der sozialen Isolation auseinandersetzen und auch etwas Künstlerisches machen, das für mich Sinn machte in der Kommunikation mit den Menschen.

 

Worum geht es eigentlich? Oder die Suche nach Präzision

 

Die Antwort ist komplex, schwierig, fragmentiert, manchmal offensichtlich, manchmal trivial oder klischeehaft…, genau.... wie die Arbeit mit auto-biographischen Materialien zu dem Zweck Kunst zu machen ist. Wäre ich vor dir jetzt würde ich dich fragen, wie die Bilder, Texte und Videos auf dich wirken. Sonst versuche ich mittel des Textes das Prozess und Arbeit zu kommentieren. Ich starte mit dem ersten Impuls zu dieser Arbeit, und zwar mein Alltag während der Quarantäne. Ich komme aus einer Region der Welt, die kolonisiert und ausgebeutet jahrhundertlange wurde.... das ist aber ein anderes Thema! Die da lebenden Menschen bewegen sich gerne, haben gerne Körperkontakt. Sowas spielt bei uns eine wichtige Rolle, da Berührung ein Signal von Höflichkeit und Offenheit bei uns ist. Zu Hause, in Isolation des Lockdowns allein zu sein, war mir eine vielseitige Erfahrung. Ich konnte auf mich und eigene Gedanken und individuelle Fragen zurückschauen. Damit ich meine eigene Routine fotographisch dokumentieren konnte, habe ich angefangen, mich bei körperlicher Arbeit, Bewegungen und Trainings at home abzufotografieren. Man würde immer weiter überrascht mit neuen technischen Möglichkeiten der Kameras, wenn die nicht kritisiert werden müssten, damit die weiter für uns arbeiten und nicht umgekehrt. Auch wieder eine andere Frage! Nach einigen Wochen hatte ich eine Menge an Fotos aufgenommen. Aber, warum sollte man sich bei einer Dehnung-session aufnehmen lassen und sie nicht einfach tun? Ich verwende zunächst die feige Antwort: Mir wurde häufig gefragt, was ich in dem Moment der Quarantäne leisten wollte, woran ich arbeiten könnte, was ich mit dem neuen Normal anfangen könnte...  dies waren wichtige Fragen produktivistisch betrachtet...“sei produktiv Gabriel“… 

Mich interessierte als Argumentation etwas anderes jedoch. Für mich sinnvoller war eine Art künstlerische Arbeit zu machen, die mir helfen konnte, mit der Krise klar zu kommen. Etwas mit den Fotos anzufangen wäre erst später eine Möglichkeit, kein Muss. Obwohl man nie einem Künstler trauen sollte, der sagt, dass er gerade nichts im Kopf hat. – uiii yes - Wir sollten jedoch nicht vergessen, dass eine Pandemie und die daraus resultierende soziale Isolation der Zeitpunkt ist, unseren wirtschaftlichen Aufschwung zu bremsen und uns an unsere grundlegendsten Bedürfnisse zu erinnern. Let’s go :)

Mit dieser künstlerischen Arbeit meinte ich, dass die Relation zu anderen nicht nur als ein künstlerischer oder akademischer Diskurs wichtig ist, sondern als eine Übung der Geduld zu der Sozialität und des sozialen Zusammenlebens. In einem Moment der sozialen Distanz ist es notwendig, darüber nachzudenken, wie sehr wir andere Menschen brauchen und wie sehr andere Menschen uns brauchen, damit wir unsere eigenen geistigen und psychologischen Fähigkeiten zu dem Zweck des gemeinsameren Wohlstandes entfalten können. Der brasilianische Ureinwohner Umweltaktivist Ailton Krenak sagte einmal bei einem Interview: „Ich lebe nicht in dem Wald. Ich lebe den Wald“. Genau, da drin finde ich irgendwie Unterstützung meiner migrantischen Positionen. In diesem Sinne ist die bloße Vorstellung des Zusammenseins mit anderen durch Collagen und Fotomontagen in der Lage, durch eine Landschaft Sinne zu erzeugen, auch wenn die eingefügten Elemente an der Grenze zwischen dem Menschlichen und dem Nichtmenschlichen liegen. Wollen wir von Utopien, oder Umwelt, oder Neuanpassung unserer menschlichen Rolle innerhalb der planetarischen Ökosysteme, Kampf gegen Ungleichheit sagen? Dann sollten wir vielleicht mit unserem eigenen Körper starten, damit wir nicht vergessen, dass wir dabei Beine haben. Was für Tabus hast du noch heute in Bezug zu deinem eigenen Körper? … ja, ein heikles Thema…

Bei diesem Versuch, in meine Gedanken und Körper zu schauen, zu analysieren und zu untersuchen, während ich meine inneren physiologischen Strukturen anfasste und massierte, fand ich eines Tages meine Knochen wieder! Ich habe die wiedergefunden, glaub mir! Einfach die Knochen, ein Beispiel von etwas häufig vergessen bei alltäglichen Aktivitäten. Jeder Mensch hat sich ein Skelet, bzw. 206 Knochen, in dem Körper. Die Knochen einen uns! Aber bloß die Knochen in einem Bild vorzustellen, reichen zu der Abbildung einem Menschen? Wie wäre, wenn meine Knochen von meinem Körper rausspringen – oder raus widergespiegelt werden - und leisten mir eine Art Gesellschaft hier in meinem pandemiefreien Raum? .... ohhhh... so creepy.....

Warum die Knochen des Menschen als Kunst darzustellen? Was könnte man damit anfangen ohne banal zu klingen? Knochen haben aber schon in der Gesellschaft eine bestimmte Bedeutung, und zwar vollkommen von Klischees. In der Kunstgeschichte werden die Knochen mit der Darstellung des Todes assoziiert werden. Sonst werden die mit einer Bedeutung von Horror oder Humor in der euro-amerikanische Mainstreaming Kultur dargestellt werden. Was wäre dann mit der Darstellung von Knochen doch noch möglich? 

Knochen sind in jedem menschlichen Körper auf diese Erder zu finden. Will ich meine Knochen neben mir visuell darstellen, dann müsste ich überlegen, was für ein Kontext, was für eine Bedeutung zwischen „uns“ erscheinen könnte. Aber dann kam das nächste Impuls, und zwar die Demonstrationen in den USA gegen die Ermordung von George Floyd durch die Polizei. Es ist kein beispielloses Ereignis im Leben und Alltag derer, die in einem Land geboren wurden, in dem alle Institutionen aus der Sklaverei und dem daraus resultierenden strukturellen Rassismus entstanden sind, der die Menschen nicht immer subtil nach Hautfarbe einordnet. In einer Pandemie hat Strukturelle Rassismus sein kriminelles Gesicht noch einmal gezeigt. Sowas passiert seit Jahrhundert in den USA, aber auch in den brasilianischen Favelas, wo Millionen von Menschen eine unmögliche Entscheidung jeden Tag treffen müssen. Verhungern oder von der Polizei geschossen zu werden. It is an impossible decision! Die aus Brasilien verdienen keine Sichtbarkeit auf CNN oder ARD. Ich will aber die Kontexte nicht vergleichen, jeder Kampf gegen Rassismus durch die Struktur des Staats hat sein Wert. Das ist aber noch einmal eine Andere Diskussion...

Wenn die Knochen von mir drin nach draußen springen konnten und mir Gesellschaft leisten würden, dann wäre irgendwie schon ein autobiographischer Dialog mit mir möglich. Ich habe angefangen zu überlegen, was für Themen mir in Kopf waren und könnten von den Skeleten übernommen werden. Dann habe ich die erste Reihe von Fotoperformances gemacht. Dabei bin ich bei Körper Arbeit und zwei Skeleten bei verschiedenen Dehnungspositionen. Ein von den hat die Farbe Schwarz und ein anderen weiß. Was heißt dann in einem Bild in Begleitung von schwarzen und weißen Skeleten dargestellt zu werden? Wäre ich rassistisch, wäre ich verantwortungslos, oder sogar viel zu wörtlich, indem ich sowas mache? Oder diese Bedeutung bleibt ausschließlich in meinem Gedanken? I don´t know...

Wenn uns eine nicht hundertprozentige greifbare künstlerische Arbeit doch vorstellbar ist, dann können wir über die Erwirkungen über das Publikum reden, ohne das Angst zu haben, dass der Künstler seine eigene Arbeit nicht vollkommen versteht. Muss er? Ist sowas für dich vorstellbar? Dann können wir uns fragen, warum vermittelt uns ein Skelett den Eindruck, etwas zwischen dem Menschlichen und dem Unmenschlichen, der Gefahr, zu sein? Vieleicht hat ein Skelet erst das Format eines Körpers, ohne notwendigerweise ein richtiger Körper darzustellen und bleibt deswegen in der Grenze zwischen Bekanntes und Gefährliches.

Ein Skelett hält uns in dem Zweifel, denn wir wissen nicht, ob es einen Körper geben wird, also, nachdem Muskeln, Organe und Haut dazu kommen, der ein Mensch werden soll, oder ob es einen Körper vorher gab, der zusammenbricht und aufhört, menschlich zu sein. Die erste Möglichkeit, die offensichtlichste, das Klischee ist, dass ein Skelett einen zerfallenden Körper darstellt, also einen Körper, der einmal existierte und zum Verschwinden bestimmt ist. Dann erkennen wir die Gefahr, das gleiche Schicksal zu erleiden wie dieser Körper. Nämlich, wir bekommen Angst zu sterben. Wir sind vor diesem Körper und wissen nicht, was für ein Mensch damals war. Friedlich oder aggressiv? Freund oder Feind? Trumpf oder Biden (ops schlechter Vergleich!... nonono!)

Eine andere Möglichkeit wäre, dass das Skelett einen zu werdenden Körper darstellt, d.h. einen Körper in der Entstehung, einen Körper, der noch keine Organe, Muskeln, Blut und Haut entwickelt hat. Also ein Körper in möglicher Entwicklung, ein zukünftiger Körper, der dazu bestimmt ist, ein Raum in der Welt zu haben oder zu besetzen. Die zweite Perspektive der Verwendung von Skeleten in meinen Fotoperformances zu verstehen passt am besten, dadurch wird einen Raum für die Reflexion über die Diskurse eröffnet, die dem Körper, dem Geschlecht als Performance, Zwang und Konditionierung, der Hautfarbe als Versuch, sich einen Herkunftsort jemandem vorzustellen, der Sprache und dem Akzent als (Un)Möglichkeiten der Teilnahme an kreativen, politischen und pädagogischen Aktivitäten zugeschrieben werden. Sorry, ich muss immer wiederholen, dass ich hier nicht geboren bin, obwohl ich hier wohne….

Dann wäre es möglich, zu reflektieren, dass es in den Fotoperformances Skelette gibt, die Projektionen meiner selbst sind. Die sind zu entwickelnde Alter-Egos, die Formen der Imagination anderer Körperdarstellungen abbilden, Phantasien von imaginierten Körpern vorstellen, die sich trotz der Übernahme einer sozialen Rolle in Formation befinden und können sich zwischen Identitäten, soziale Rollen, Gender, oder gar keine, bewegen. I don`t live in my body, I live my body.

 

Warum stört es uns, nichts davon zu wissen?

 

In diesem Projekt sind zwei Ebenen der Unklarheit zu sehen. Erstens dem Projekt geht es um die Visuelle Darstellung einigen Themen, was die Vorstellung und Perzeption des Publikums noch offener macht. Unscharf zu sein, bedeutet hier genauso die Künstlerische Strategie, um die Themen vorzustellen und die Wahrnehmung des Publikums zu öffnen. Eine zweite Ebene der Ambiguität liegt dann in die Unklarheit der Benutzung von Skeleten. Sind die zerfallenden Körper, die eine Vergangenheit hinter sich haben, und dadurch drucken nur Gefahr oder Humor aus, oder sind die entwickelnden Körper, die meine Autobiographische Fragen übernehmen und die visuell in Relation zu mir darstellen? Mit dem unscharfen Zweifel arbeite ich in diesem Projekt. Deswegen sehe ich die Initiative als eine Art Kartierung von autobiographischen Zuneigungen der Pandemie. Zuneigung bedeutet in Rahmen dieses Projektes Emotionen, Gedanken, visuelle Eindrücke, Situationen, Erinnerungen im Allgemeinen. Ich frage mich, inwieweit diese Kartierung andere Menschen erreicht und als etwas Gemeinsames zwischen uns wahrgenommen wird. Durch die visuelle Kartierung von Zuneigungen, Memories, Gedanken, von Interesse sozialen Debatten und Darstellung von meinem Alltag versuche ich die zwei Ebenen als Untersuchungspunkt vorzustellen. Was dadurch sichtbar oder wahrnehmbar wird, ist eine Frage der Rezeption, obwohl bestimmten Aspekten schon wörtlich, am Beispiel von Texten, da zu finden sind. Wenn ich die ernennen soll, würde ich der Versuch mit der pandemischen Situation klar zu kommen erwähnen. Durch diesen Versuch spiele ich bestimmte Aspekte visuell dar, die mir in Köpf während der Isolation waren. 

Die Unklarheit in diesem Projekt kann auch mit der Unklarheit verglichen werden, die durch die globale Pandemie entsteht. Endlich sind wir nicht in der Lage, das nächste Monat zu planen. Oh so terrible! In einer kapitalistischen Produktionskette scheint unscharf, bzw. unpräzis zu sein, ein Zeichen von Inkompetenz. Das ist vielleicht ein das größte Erlernen der Zeit der Pandemie. Nicht jeder Schritt kann geplant werden. Hinter alle Vorhersehbarkeit gibt es eine Verletzung anderen Menschen oder der Umwelt. Glaub mir bitte einfach, ich weiß, dass du weißt, worum es geht.  Die Zukunft ist deswegen nicht immer weiter kaufbar. Genau das zu akzeptieren hätte das Potential uns für andere Möglichkeiten und ways of being together wach zu halten. Unscharf zu klingen nervt, weil in dem ökonomischen System erwartet wird, dass mein Gegenüber genug gearbeitet hat, um mir etwas zu zeigen. Du weißt dann, dass ich weiß, worum es geht. Wenn seiner Arbeit unscharf oder unpräzis klingt, bekommt man das Gefühl betrogen zu werden. Nicht nur wegen der unklaren Kommunikation, aber auch weil ich nicht in der Lage werde, die Bedeutung der Arbeit zu erkennen. In welcher Richtung geht es? Wenn alles unklar bei deiner Rezeption bleibt, dann brauchst du mehr Zeit zu erkennen, ob meinem Diskurs dich betrifft oder nicht, ob ich mich ernst nehme oder mich lustig von mir (oder dir?) mache, ob ich ein Feind oder Freund bin, ob von einem Skelet ein Mensch wird oder durch der zu uns Tod kommt, ob man in Urlaub fliegen kann oder nicht. Und durch deine Verzögerung beim Erkennen der Gefahr, komme ich dir näher und näher. Nur dann später wirst du erfahren, dass ich weiß, worum es geht. Später werde ich wissen, dass du das weißt, was in meiner Arbeit gemeint ist.  Aber auf diese Weise bin ich wieder manichäistisch und ambivalent... I don't live in the ambiguity, I live the ambiguity.  Lass uns mal mit der Unklarheit klarkommen!

 

Gabriel Carneiro

Profil – CV

2021 Absolvent des Masterstudiengangs Szenische Forschung[1] an der Ruhr Universität Bochum. Ich bin ursprünglich aus Brasilien, wo an der Universität Universidade Federal de São João Del-Rei einen Doppelabschluss in Theater, Bachelor und auf Lehramt erwarb, nachdem ich eine Ausbildung als Informatiker beendete. An der Hochschule für Bildende Kunst Braunschweig absolvierte ich ein Austauschsemester und parallel dazu ein Praktikum am Staatstheater Braunschweig. Zurzeit absolviere ich anhand eines Stipendiums des DAADs – Deutscher Akademischer Austauschdienst – den Masterstudiengang Szenische Forschung an der Ruhr-Universität Bochum. Ich arbeite als Schauspieler, inszeniere und/oder produziere Theaterstücke und szenische Veranstaltungen, künstlerische Interventionen, Kurzfilme und künstlerische Performances, immer im Einklang von Theorie und Praxis. Von besonderen Interesse sind die folgenden Themen: Untersuchung von Theorien und Praktiken der Darstellenden Künste und der radikalen Demokratie, Körperpraktiken im Rahmen der darstellenden und performativen Künste als nicht-koloniale Wiederentdeckung der eigenen geistigen und körperlichen Fähigkeiten, Regie und Schauspiel als relationale Praxis, Besetzungsvorbereitung als Entdeckung des Selbst im Kontakt mit anderen, Audiovisuelles als transversale künstlerische Sprache mit Performance, Darstellende Künste, Szenische Künste und Neue Medien, Kunst und Politik, Intermedialität. …