Unsichtbarkeit des Rassismus gegen Asiat:innen

Hakyung Kang

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 1- Einleitung

  Wenn ich auf der Straße oder an einem öffentlichen Ort bin, nehme ich komische Blicke wahr, die lange auf mich gerichtet sind, obwohl ich schon seit drei Jahren in Deutschland lebe. Egal wie oft ich diese Blicke bemerke, kann ich mich nicht daran gewöhnen und es macht mich immer nervös. Auf der einen Seite empört mi­ch diese Erfahrung, aber auf der anderen Seite kann ich dadurch erkennen, dass mein Sein, also das Sein von asiatisch gelesenen Menschen hier noch neu ist.

Dabei habe ich gedacht, dass die Medien den entscheidenden Einfluss auf die Darstellungen oder Repräsentationen der asiatischen Menschen haben. Wenn Leute s-i­ch bisher noch nicht mit Asiat:innen unterhalten oder sie getroffen haben, kann das Image über Asiat:innen, die durch Medien vermittelt werden, einen starken Einfluss auf sie haben. Darüber hinaus habe ich durch verschiedene persönli­c­he Erfahrungen in Deutschland erkannt, dass man die über die Medien erhaltenen Informationen schnell verinnerlicht.

Ich habe eine Vielzahl von Menschen verschiedener Altersklassen in Deutschland getroffen, wobei es viele Fälle gibt, in denen ich für sie die erste Asiatin b­i­n, die mit ihnen spricht. Sie wollten deswegen sicherstellen, dass etwas, was s­ie in den Medien über Asien sahen und hörten, wirklich die Wahrheit war. In den meisten Fällen waren meine Antworten darauf jedoch für sie nicht wic­htig. Sie versuchten, meine verschiedenen Handlungen in Stereotypen einzuteil­en. Wenn ich mich jedoch „anders“ als die in den Medien auftretenden Stere­otypen verhalten habe, wurde ich in dem Fall als eine “einzigartige” Asiatin oder als eine Ausnahme gesehen.

Am 26. April 2020 kurz nach Mitternacht hat ein koreanisches Paar auf dem Weg nach Hause in der U7 in Berlin “Corona-Rassismus” von einer deutschen Gruppe erlebt. Frau Kim hat sogar sexuelle Beleidigungen hören müssen. Das Paar musste sich mehrmals den Spott von der deutschen Gruppe anhören: „Happy Corona! Coro­na Party! Corona!“ Ein Mann der Gruppe sagte danach sogar zu Frau Kim: „Du bist sexy, bist du verheiratet?” Er legte sogar ihre Hand auf seine Lippen und versuchte, ihr einen Kuss zu geben. Dementsprechend filmte sie mit ihrem Handy die Szene, um Beweise zu hinterlassen. Während ihr Mann es der Polizei meldete, begann die Gruppe wegzulaufen und seine Frau folgte ihnen. Dabei stieß ein Mann in der Gruppe sie weg und packte ihren Unterarm und ihr Handgelenk stark, während er versuchte, ihr Handy zu stehlen. Der andere Mann schubste ihren Mann und spuckte ihn an. Dabei fiel sie aufgrund des Schocks mit Bauchschmerzen hin und die Gruppe rannte weg. Zwei Frauen aus der Gruppe wurden von eingesetzten Polizisten gefangen genommen, welche aber argumentierten, dass sie von dem Paar als “Rassisten” bezeichnet wurden. Nachdem die Polizisten die Argumente von den zwei Frauen gehört hatten, sagten sie zum Paar, dass sie Menschen nicht einfach als Rassisten bezeichnen dürfen. Darüber hinaus sagten die Polizisten zum koreanischen Paar, dass das Wort „Corona“ allein ohne körperliche Gewalt nicht als rassistische Handlung angesehen werden kann. Deswegen lehnten die Polizisten ab, diese Situation als einen Fall einzureichen. Als Frau Kim die Polizisten fragte, ob sie diese Aussage als offizielle Aussage der deutschen Polizei ansehen könne, antworteten die Polizisten mit N­ein.[1]

 Danach telefonierte das Paar mit der koreanischen Botschaft in Deutschland. Erst als die Botschaft mit der Polizei gesprochen hatte, beschloss die Polizei, den Fall einzureichen. Selbst in der von der Berliner Polizei beschriebenen Fallakte fehlt, wie die Polizisten anfangs auf diesen Fall reagiert haben.[2] Laut des deutschen Strafgesetzes § 130 Absatz 1[3] könnte die Gruppe durch diese Aktion bestraft werden. Tatsächlich aber haben die zwei Frauen in der Gruppe Anzeige gegen Frau Kim erstattet, da si­e die beiden als Rassistinnen beschimpft haben soll.

Dies ist nicht der einzige Fall. Dies ist einer der Fälle, in denen man noch relativ schnell und aktiv gegen den Rassismus gehandelt hat. Wenn man alleine unter-w­egs ist, ist es nicht einfach, sofort mit Rassismus umzugehen. Es ist sogar schwieriger, gegen eine Gruppe zu protestieren. Wenn die Mehrheit in einer Gr­uppe eine rassistische Aussage nicht als solche wahrnimmt, ist es schwierig g­egen Rassismus zu protestieren. Die Stimmung kann sogar durch einen Protes­t sehr unangenehm werden.

Was gilt dann in Deutschland als rassistisch? Wie sieht man in Deutschland Rassismus gegen Asiat:innen? Wegen der zweite Weltkriegsgeschichte wurden die Wörter „Rassismus oder Rassist“ zum Tabuthema. Aber gibt es einen sicheren öffentlichen Raum, in dem man rassistische Haltungen als Rassismus bez­eichnen kann? In letzter Zeit ist das Problem des durch Covid-19 verursachte­n Rassismus gegen Asiat:innen ernsthaft geworden und viele Fälle darüber w­urden in der asiatischen Community diskutiert.

Diese Hausarbeit handelt darum, wie „unsichtbar“ Themen “Corona-Rassismus” bei Asiat:innen und “mit Sexualisierung verbundener Rassismus bei asiatis­chen Frauen” in den Medien sind. In der Schlussfolgerung wird die Möglichk­eit hergeleitet, das Problem des „unsichtbaren“ Rassismus gegen Asiat:innen zu lösen.

 

 

 2- „Corona-Rassismus“

Nachdem sich Covid-19 weltweit verbreitet hatte, nahm Rassismus gegen Asiat:innen zu. Weil Asiat:innen für die Verbreitung des Virus verantwortlich gemacht wurden und als Virus selbst gesehen wurden, erhöhte sich die rassistische Gewalt gegen Asiat:innen auf der Straße. Unter anderem möchte ich mich insbesondere mit dem oben genannten Fall befassen, wobei ich mich zunächst darauf konzentrieren werde, wie die deutschen Medien mit diesem Rassismus umgegangen sind.

Der „Corona-Rassismus“ hat in den deutschen Medien wenig Beachtung gefunden. Natürlich wurden aufgrund des aktiven Engagements von der Asian-Community mehrere Artikel veröffentlicht und einige kurze Sendungen in der Tagesschau wurden ausgestrahlt, was aber nur eine vorübergehende Erscheinung war. Dies war unzureichend, um mit dem Rassismus umzugehen. 

Ich wollte schon eher als andere eine Atemschutzmaske in Deutschland tragen. Dies war das einzige Mittel, um mich und andere gegen die Gefahr vor dem Virus zu schützen, weil man nicht wissen kann, ob man infiziert war oder nicht. Am Anfang der Pandemie trug fast niemand eine Atemschutzmaske auf der Straße und wenn die Asiat:innen Masken trugen, bekamen sie komische Blicke und mussten sich Kommentare dazu anhören. Diese unangenehme Situation und die verschiedenen Nachrichten über rassistische Gewalt führten dazu, dass ich es vermied, nach draußen zu gehen.

Die “Beauftragte der Bundesregierung für Migration, Flüchtlinge und Integration” hat Ende Mai durch einen Tweet und Instagram-Posting bewusst gemacht, dass auch in Deutschland viele rassistische Vorfälle in der Pandemie vorkamen, in denen viele asiatisch gelesene Menschen mit Desinfektionsmittel besprüht und als Virus-Schleuder beschimpft wurden.[4] Dieser Bericht kam allerdings erst Monate nachdem viele diskriminierende Vorfälle passierten. Was bedeutet dieses Schweigen? Hätte die “Integrationsbeauftragte” nicht ein bisschen schneller darauf reagieren sollen? Wer könnte unsere seit mehreren Monaten tolerierte Angst vor dem Corona-Rassismus verstehen? Ist das Thema in den Medien „häufig genug“ aufgetaucht und wurde darüber diskutiert?

 

 

 

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Abbildung 2 Artikel aus Spiegel am 03.02.2020. Bild von asiatisch gelesenen Personen mit Mundschutz am Flughafen.

Abbildung 1 Artikel aus Spiegel am 06.05.2020. Bebilderung durch ein Halbportraitfoto zweier asiatisch gelesener Frauen mit Mundschutz.

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Abbildung 3 Screenshot des  am 28.02.2020 auf dem Welt Youtube- Kanal.

  

Abbildung 4 Screenshot des WELT INTERVIEW: Ist Deutschland auf den Coronavirus Covid-19 gut vorbereitet? 

Nachdem sich das Covid-19 in Deutschland verbreitet hatte, tauchten vermehrt Bilder der asiatisch gelesenen Menschen mit Maske in den öffentlichen Medien auf. Im Folgenden werden verschiedene Nachrichten oder Zeitungen über das Virus gezeigt, die mit asiatisch gelesenen Personen bebildert wurden. Durch die Repräsentation dieser Bilder im Hintergrund ist die Verknüpfung zwischen dem Virus und den asiatisch gelesenen Menschen stärker geworden. Diese Repräsentation kann problematisch sein, weil es unbewusst die Denkweise prägen kann, dass asiatisch gelesene Menschen infiziert sind. In den Medien gab es eindeutig ein „rassistisches Framing“, wobei aber diese Gefährlichkeit nicht erkannt wurde. In Deutschland und auch in Europa, trägt man normalerweise nur Masken, wenn die Personen an schwerwiegenden Krankheiten leiden, aber hinausgehen möchten. So verschärften diese Bilder den Zusammenhang zwischen Krankheit und den asiatisch gelesenen Menschen. Weil die asiatische Community die Bedrohung und die Gefahr aufgrund des „rassistischen Framings“ erkannt hat, kritisierte die Community aktiv dagegen. 

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Abbildung 5 Screenshot des Instagram-Postings der Tagesschau am 15.10.2020

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Abbildung 6 Screenshot des Instagram- Postings von „LILLYBECKEROFFICIAL“ am 10.06.2020

Hierbei geht es nicht darum, dass das Thema über anti-asiatischen Rassismus mit der Bewegung „BlackLivesMatter“ verglichen werden soll oder darf, sondern um die Frage, wie eine Person, die die Bewegung „BlackLivesMatter“ unterstützt, diese Aussage über China nicht als rassistisch ansehen kann. In ihrer Stellungnahme über Kritiken stand: „[…] Was ich am Samstag über China gesagt habe, war nicht rassistisch gemeint. Wenn sich irgendjemand angegriffen gefühlt hat, tut mir das leid. Ich bin gegen Rassismus und das schließt alle Menschen mit ein. Ich stehe komplett hinter der #BlackLivesMatter Bewegung. […]“[7] Dabei betonte sie einfach, dass sie gegen Rassismus ist, hat aber nicht eingesehen, dass ihre Aussage an sich rassistisch gegen andere Minderheiten war. „Es war nicht rassistisch gemeint.“ ist eine der klassischen Verleugnungen über rassistische Aussagen. Außerdem taucht die rassistische Aussage „Ching Chang Chong“ noch oft in den öffentlichen deutschen Fernsehersendungen auf. Das heißt, dass die rassistische Aussage gegen Asiat:innen in Deutschland noch nicht als rassistisch angesehen wird, sondern noch eher zu dem Bereich „Satire“ oder „Witz“ gehört. Infolgedessen wirft die asiatische Community mehrmals Kritik ein, dass in dem Medienbereich oft diese Art von Aussagen legitimiert werden, weil es sich um „Satire“ handelt, sodass es immer wieder reproduziert wird.

 

3- Sexualisierter Rassismus gegen asiatisch gelesenen Frauen

Rassismus gegen asiatisch gelesene Frauen trifft häufig in Form einer sexuellen Objektivierung auf, weswegen die Form des Rassismus darin maskiert und geleugnet wird. Die Darstellung der asiatischen Frauen hat eine lange Geschichte. Die Jonalistin „Nhi Le“ schrieb in ihrem Artikel folgendes.

„Die westliche Darstellung ostasiatischer Frauen basiert auf jahrhundertealten sexistischen und rassistischen Narrativen, die sich durch Kolonialismus, Kriege und Migration entwickelt haben. Das Bild dieser Frauen ist geprägt durch den Blick des weißen Mannes, der die „Exotische“ nur in Relation zu sich und seinen eigenen (sexuellen) Bedürfnissen sieht. Es zieht sich durch Opern, über Romane bis hin zu Comics, Filmen und Serien durch alle medialen Darstellungsformen und ist bis heute gesamtgesellschaftlich präsent.“[8]

 

Der durch diese sexualisierten Darstellungsformen verursachte Rassismus ist jedoch weniger sichtbar, weil er nur als Fetisch für eine bestimmte „Rasse“ angesehen. In diesem dritten Teil werden zwei Beispiele dieser sexualisierten Darstellungen beschrieben, die anhand wissenschaftlicher Texte von zwei Autoren „Stuart Hall“ und „Bell Hooks“ analysiert.

Im Film „Videodrome“ vom Filmregisseur „David Cronenberg“ gibt es eine Szene, in der diese sexualisierte Darstellung und rassistische Stereotypen deutlich auftauchen. Die Hauptgeschichte dieses Films handelt von pornographischen und gewalttätigen Produkten im Fernsehen, wodurch er hervorhebt, wie diese Produkte auf uns Einfluss haben können. Der Hauptcharakter „Max Renn“ arbeitet als Präsident eines privaten TV-Kanals und sendet durch seinen Kanal gewalttätige und pornographische Programme. In einer Szene diskutieren zwei Männer und Max darüber, was für ein pornographisches Programm dieses Mal ausgestrahlt wird, wonach sie sich zusammen neue Pornoprodukte anschauen. Das neue Produkt heißt „Samurai Dreams“, worin eine asiatisch gelesene Frau mit einer japanischen traditionellen Kleidung „Kimono“ auftaucht. Während des Anschauens fragt Max den anderen: „Was denkt ihr? Können wir das gebrauchen? Wollen wir das gebrauchen?“ Dann antwortet ein Mann darauf: „Ich finde asiatischen Sex gut.“ Aber Max sagt dazu: „ Es ist irgendwie zu soft.“

Der Sex mit dem „exotisch Anderen“ in Kimonos war lange Zeit eine Fantasie der westlichen Welt. Wenn man einmal auf dem Google „kimono porno“ eintippt, tauchen mehrere tausend Pornos auf. Nachdem ich diese Szene gesehen habe, fragte ich mich selbst: „Was ist genau asiatischer Sex? Wie kann Sex asiatisch sein?“ Die Antwort habe ich im Artikel von „Nhi Le“ gefunden.

„Und während ost-/südostasiatische Frauen in Filmen unterrepräsentiert sind, spielen sie eine prominente Rolle in Pornos. Hier ist der Stereotyp der hypersexuellen „zarten Lotusblüte“ ein ganzes Genre für sich. Laut Pornhub Statistik 2019 sind mit „asian“, „korean“, „hentai“ und „japanese“ gleich vier verwandte Kategorien unter den zehn meistgesuchten Begriffen des Jahres, wobei die beiden letztgenannten sogar die Top Zwei ausmachen. Die chinesisch-amerikanische Pornodarstellerin Jade Kush sprach sich immer wieder gegen die Fetischisierung wie auch rassistische Belästigungen von Fans und in der Industrie aus. „[9]

 

Wie können „Rasse“ und Nationalität zu einem Genre der Pornografie werden? Durch den Artikel ist klar geworden, was mit „asiatischem Sex“ in Filmen gemeint ist. Es bedeutet entweder Sex mit asiatischen Frauen oder Sex, der Vorurteile und Fantasie über asiatische Frauen beinhaltet. Bestimmte sexuelle Darstellungen der „Rasse“ werden immer wieder reproduziert und öfter von Internetpornoseiten verbreitet, die heutzutage leicht zugänglich sind. Diese Darstellungen sind in der Gesellschaft nach und nach verfestigt und in Personen verinnerlicht worden, was auch einen direkten Einfluss auf das private Leben asiatischer Frauen haben kann.

Ein weiteres Beispiel ist die rassistische und sexistische Werbung von dem Unternehmen „Hornbach“. Der Titel der Werbung heißt „So riecht der Frühling“. In der Werbung geraten fünf weiße deutsche Männer bei der Gartenarbeit gehörig ins Schwitzen. Zwei Wissenschaftler erscheinen, fordern die Männer zum Striptease auf und verschicken ihre verschwitzte Kleidung per Luftpost. Danach nimmt die Kamera uns mit in eine asiatische Großstadt in düsterem Grau. Dort kauft sich eine junge Asiatin die Unterwäsche von einem Straßenautomaten, schnieft ekstatisch daran und verdreht – scheinbar hocherregt – ihre Augen.[10] Nachdem diese Werbung veröffentlicht geworden war, wurde sie in der asiatischen Community stark kritisiert, weil die Werbung nicht nur sexistisch, sondern auch rassistisch war. Das migrationspolitische Online-Magazin „Migazin“ veröffentlichte einen offenen Brief. Darin kritisierten Betroffene, Expert:innen und Fachverbände den Werbespot, stellten Fragen etwa zur Entstehung der Werbung und forderten eine öffentliche Entschuldigung von Hornbach.[11] Eine Online-Petition für eine öffentliche Entschuldigung von Hornbach wurde von etwa 42,000 Personen unterstützt und es gab auch verschiedenen Demonstrationen in Berlin.

In einer Stellungnahme, die Hornbach bei dem Werbungsvideo auf YouTube beigefügt hat, hieß es, der Spot habe offenbar zu "Missverständnissen" geführt und diese wiederum zu "Unmut". Aufgrund dieses Protestprozesses hat Hornbach eine spezielle Webseite für die Vorwürfe angelegt, worin sich Hornbach auf Deutsch, Englisch, Japanisch und Koreanisch zu der Kritik äußert und auf verschiedene kritische Fragen eingeht. Auf die Frage, warum die Frau an getragener Wäsche von Männern riecht, lautet die Antwort des Unternehmens wie folgt:

„Hier wird bewusst – werblich überhöht – mit einem vermeintlichen Tabu gespielt: Es gibt in vielen Ländern der Welt einen Markt für getragene Wäsche, Konsumenten sind dabei oftmals Männer. Wir kehren auch dieses Bild um: Die Frau in unserem Spot wird nicht zum Objekt des Konsums, ganz im Gegenteil: Die Frau wird zur selbstbestimmten Konsumentin.“[12]

 

Aber die asiatische Community hat die von Hornbach gemeinte Umkehr nicht gespürt. Wir können nicht wissen, ob Hornbach wirklich damit eine Umkehr gemeint hat oder nicht. Aber wir können die oben genannte „Selbstbestimmung“ nicht erkennen, wenn wir eine asiatisch gelesene Frau sehen, die einen Organismus zu fühlen scheint, indem sie an geschwitzten Unterwäschen von weißen Männern riecht. Woher kommt die von Horbach erwähnte „Selbstbestimmung“? Kommt die „Selbstbestimmung einfach aus dem Akt des Kaufs von Sex? Kann der größte Teil des Publikums dieser Werbung auch die asiatisch gelesene Frau in der Werbung als „selbstbestimmte Konsumentin“ interpretieren?

Auf der Frage, wieso eine asiatisch gelesene Frau im Spot ist, antwortet Hornbach außerdem so:

„Natürlich kann jeder Mann oder jede Frau das Ende unseres Spots spielen, das zeigen wir in den alternativen Endings online. Die überzogene Darstellung aller im Spot Mitwirkenden soll dafür sorgen, dass die Geschichte humorvoll rüberkommt und schnell verstanden wird (bei kurzen Werbefilmen ist dies natürlich wichtig). Der urbanen Legende der japanischen Automatenkultur und der Umdrehung der Geschlechterrollen folgend, haben wir uns im Hauptspot für eine asiatische Frau als Käuferin entschieden.“[13]

 

Natürlich kann jeder Mann oder jede Frau das Ende des Spots spielen. Aber weil asiatische Frauen in Deutschland zur Minderheit gehören und sie in dem Medienbereich keine verschiedenen Darstellungen haben, sondern meistens auf Klischeerollen beschränkt werden, kann diese Darstellung der Werbung mit unserem Leben direkt verbunden werden. Wie Hornbach erklärt hat, weil die Darstellung dafür sorgt, dass die Geschichte „humorvoll“ und schnell verstanden wird, ist die ausgewählte Darstellung natürlich absichtlich, wobei es nicht deutlich wird, dass jeder Mann oder jede Frau das Ende des Spots spielen kann. Hornbach weiß, wie wichtig die Darstellung bei kurzen Werbefilmen ist.

Die Darstellungen der asiatischen Frauen, mit denen sich die zwei Beispiele befassen, sind begrenzt, auf Stereotypen beruhend und sehr sexuell. Solche Stereotypen vertiefen nur bestimmte Images verschiedener asiatischer Frauen. Dadurch werden sie auf diese Stereotypen reduziert, als ob sie real wären. Das macht Rassismus gerechtfertigt und „unsichtbar“.

Der Autor „Stuart Hall“ definiert den Begriff „Stereotyp“ folgendes:

„Stereotype erfassen die wenigen »einfachen, anschaulichen, leicht einprägsamen, leicht zu erfassenden und weithin anerkannten« Eigenschaften einer Person, reduzieren die gesamte Person auf diese Eigenschaften, übertrieben und vereinfachen sie, und schreiben sie ohne Wechsel oder Entwicklung für die Ewigkeit fest.“[14]

 

Der Grund dafür, warum stereotypisierte Darstellungen in den Medien gefährlich sein können, ist, dass sie naturalisiert, vereinfacht und stark fixiert sind. Jetzt kann es durch die entwickelte Technologie der Medien schneller und umfassender verbreitet werden.

Es gab auch viele Menschen, die zu sehr von meinen dunklen Augen, meinen dunklen Haaren und meinem kleinen Körper schwärmten. Ich habe auch Leute auf der Straße oder auf Partys in Deutschland getroffen, die mich ansprachen und oft sagten, dass ihr „Geschmack“ asiatische Frauen seien oder sie ein „Fetisch“ für asiatische Frauen haben. Nachdem ich das mehrmals erlebt hatte, habe ich nach der Bedeutung dieser Aussage nachgedacht. Über was für asiatische Frauen sprechen sie? Wollen sie damit sagen, dass jede Frau in über 40 Ländern des asiatischen Kontinents ihr Geschmack ist? Aber alles, was ich durch ein wenig Gespräch mit ihnen wissen konnte, war, dass sie in mir die stereotypisierten Images in den Medien sehen wollten. Sie wollten die Frauen, die hübsch, klein und süß sind, aber über ihre Worte lachen, ihnen passiv zuhören und „cool“ sind, damit sie mit ihnen schlafen können, wann immer sie wollten.

Ein weiterer Grund, der diese Form von Rassismus „unsichtbar“ macht, ist, dass die Menschen aufgrund des oben beschriebenen lang reproduzierten Stereotypen nicht wissen, dass sie rassistisch sind. Deswegen verleugnen sie den Rassismus, weil sie das gar nicht rassistisch fanden. Diejenigen, die behaupten, asiatische Frauen seien ihr Geschmack, denken, dass das nur einer ihrer legitimen Fetische ist. Die Autorin „Bell Hooks“ kritisiert dies:

“ For white boys to openly discuss their desire for colored girls (or boys) publicly announces their break with a white supremacist past that would have such desire articulated only as taboo, as secret, as shame. They see their willingness to openly name their desire for the Other as affirmation of cultural plurality (its impact on sexual preference and choice). Unlike racist white men who historically violated the bodies of black women/women of color to assert their position as colonizer/conqueror, these young men see themselves as non-racists, who choose to transgress racial boundaries within the sexual realm not to dominate the Other, but rather so that they can be changed utterly. Not at all attuned to those aspects of their sexual fantasies that irrevocably link them to collective white racist domination, they believe their desire for contact represents a progressive change in white attitudes towards non-whites. They do not see themselves as perpetuationg racism.”[15]

 

Sie behaupten öffentlich, dass sie mit der Vergangenheit der „weißen Herren“ nichts mehr zu tun haben, die in der Geschichte die Körper schwarzer Frauen/women of color verletzten. Außerdem wird ihr sexuelles Begehren nach den „Anderen“ unter dem Namen „kulturelle Vielfalt“ für sie sogar als positiv angesehen. Wichtig hierbei ist, dass sie nicht anerkennen, dass dieses sexuelle Begehren auch auf rassistischen Gedanken zurückzuführen ist und sie weiterhin den Rassismus pflegen. Bei Ansprache auf Rassismus streiten sie dies ab. Das ist ein fixierter Denkprozess. Wenn das Bewusstsein für den Denkprozess nicht weiter erreicht wird, wird sexualisierter Rassismus gegen asiatische Frauen weiterhin durch den Begriff „Fetisch“ verdeckt und innerhalb der Kategorie des Rassismus „unsichtbar“.

​ 4- Schlussfolgerung

 Ein Weg „unsichtbaren“ Rassismus gegen Asiat:innen „sichtbar“ zu machen, könnte damit beginnen, zu erkennen, dass „unsichtbarer Rassismus“ existiert. Da der Rassismus seit langem strukturell in das Denksystem integriert ist, ist das eng in unseren Gedanken eingebettet. Dass man stereotypisierte Repräsentation bilden kann, ist eine der Mächte, wie Stuart dies erklärt.

“Es scheint, dass Macht nicht nur im Sinne ökonomischer Ausbeutung oder physischen Zwangs, sondern auch im umfassenderen kulturellen oder symbolischen Sinne verstanden werden muss. Letzteres schließt die Macht mit ein, jemanden oder etwas auf eine bestimmte Art und Weise zu repräsentieren – innerhalb eines bestimmten ›Repräsentationsregimes‹; also die Ausübung symbolischer Macht durch Praktiken der Repräsentation. Stereotypisierung ist ein wesentlicher Bestandteil dieser Ausübung symbolischer Gewalt.“[16]

 

Es ist die Macht, dass man Nachrichten erstellen kann, worin eine bestimmte „Rasse“ durch „rassistisches Framing“ als Virus stigmatisiert wird. Es ist auch die Macht, dass die Medien die Auswirkungen der rassistischen Nachrichten tolerieren können. Es ist auch die Macht, dass man behaupten kann, asiatische Frauen als eine der Fetische anzusehen.

Was wir jetzt und hier tun können, ist keine Gegenstrategie, die all dies auf einmal beseitigen kann. Aber es ist wichtig zu erkennen, dass die in den Medien gezeigte Repräsentation nur eine der Repräsentationen ist und keine „Rasse“ vertreten kann. Wir sollten auch ständig im Medienbereich diese Repräsentationsstrategie in Frage stellen. Um den Rassismus sichtbar zu machen, reicht es außerdem nicht aus, nur kulturelle Vielfalt zu betonen, ohne dass man rassistische Einstellungen, die durch die Geschichtlichkeit verursacht werden, nicht erkennt und nicht korrigiert. Zu beginnen, die Ablehnung gegen den Rassismus zu erkennen und die Existenz des Rassismus zu akzeptieren, ist der Beginn „unsichtbaren“ Rassismus zu bekämpfen. Die Medien- und Theaterbereich, die auf diese Repräsentationsstrategie direkt bezogen ist, sollten auch zuerst mit diesem Erkenntnis beschäftigen.

Footnotes:

 

[1] Sören Kittel, „Wie zwei Koreaner in Berlin Rassismus erleben“, in : Berliner Morgenpost, 12. Mai 2020; https://www.morgenpost.de/berlin/article229104191/Rassismus-in-Zeiten-der-Corona-Krise.html ; Abruf am 18.01.2021

[2] Polizeimeldung, „Gefährliche Körperverletzung und Beleidigung aufgrund rassistischer Motivation“, in: Der Polizeipräsident in Berlin; 27. April 2020; https://www.berlin.de/polizei/polizeimeldungen/pressemitteilung.926132.php ; Abruf am 18.01.2021

[3] Bundesministerium der Justiz und für Verbraucherschutz, in: Strafgesetzbuch (StGB); https://www.gesetze-im-internet.de/stgb/__130.html

[4] Nhi Le, „Wieso Medien ihren Umgang mit Rassismus ändern müssen“, in: jetzt, 01.Dezember 2020; https://www.jetzt.de/the-female-gaze/the-female-gaze-das-deutsche-rassismusproblem-und-black-lives-matter ; Abruf am 18.01.2020

[5] Thủy-Tiên Nguyễn[@storiesbythuy], „Remember this?...”, …”, in: Instagram [Instagram-Post],11.11.2020; https://www.instagram.com/p/CHdWPZ9Hr_E/?igshid=1v0a045gdd127; Abruf am 19.01.2021

[6] Denise G, „“Nicht okay“: Bloggerin Kisu über Lilly Beckers China-Spruch“, in: Promiflash, 11. Juni 2020; https://www.promiflash.de/news/2020/06/11/nicht-okay-bloggerin-kisu-ueber-lilly-beckers-china-spruch.html ; Abruf am 18.01.2021

[7] Lilly Becker [@lillybeckerofficial ]: „“To the Asian Community…”, in: Instagram [Instagram-Post], 10.06.2020, https://www.instagram.com/p/CBQK7lRq8sb/?igshid=1i7b7cs592moo; Abruf am 18.01.2021

 

[8] Nhi Le, „Die Darstellung ostasiatischer Frauen macht mich wütend“, in: jetzt, 11. August 2020;https://www.jetzt.de/glotzen/the-female-gaze-folge-5-die-rassistisch-sexistische-darstellung-von-ostasiatischen-frauen; Abruf am 1.01.2021

[9] Nhi Le, „Die Darstellung ostasiatischer Frauen macht mich wütend“.

[10] Fabian Kretschmer, „ Die ewig gleichen Klischees“, in: taz, 02.April 2019; https://taz.de/Rassistische-Werbung-fuer-Hornbach/!5582231/ ;Abruf am 18.01.2021

[11] Astrid Ehrenhauser, „Kritik an Hornbach reißt nicht ab“, in: taz, 24.April 2019; https://taz.de/Offener-Brief-nach-rassistischer-Werbung/!5590484/ ;Abruf am 19.01.2021

[12] Hornbach, „Unsere Haltung“, in: Hornbach; https://www.hornbach.de/aktuelles/unsere-haltung/ ;Abruf am 01.19.2021

[13] Hornbach, „Unsere Haltung“.

[14] Stuart Hall, Ideologie. Identität. Repräsentation, Hamburg 2004, 143-144.

[15] Bell Hooks, Black Looks: Race and Representation, New York 2015,24.

[16] Stuart Hall, Ideologie. Identität. Repräsentation, Hamburg 2004, 145-146.

Literaturverzeichnis:

Astrid Ehrenhauser, „Kritik an Hornbach reißt nicht ab“, in: taz, 24.April 2019; https://taz.de/Offener-Brief-nach-rassistischer-Werbung/!5590484/

Bell Hooks, Black Looks: Race and Representation, New York 2015, 24.

Bundesministerium der Justiz und für Verbraucherschutz, in: Strafgesetzbuch (StGB); https://www.gesetze-im-internet.de/stgb/__130.html

Denise G, „“Nicht okay“: Bloggerin Kisu über Lilly Beckers China-Spruch“, in: Promiflash, 11. Juni 2020; https://www.promiflash.de/news/2020/06/11/nicht-okay-bloggerin-kisu-ueber-lilly-beckers-china-spruch.html

Fabian Kretschmer, „Die ewig gleichen Klischees“, in: taz, 02.April 2019; https://taz.de/Rassistische-Werbung-fuer-Hornbach/!5582231/

Hornbach, „Unsere Haltung“, in: Hornbach; https://www.hornbach.de/aktuelles/unsere-haltung/

Lilly Becker [@lillybeckerofficial ]: „“To the Asian Community…”, in: Instagram [Instagram-Post], 10.06.2020, https://www.instagram.com/p/CBQK7lRq8sb/?igshid=1i7b7cs592moo

Nhi Le, „Die Darstellung ostasiatischer Frauen macht mich wütend“, in: jetzt, 11. August 2020; https://www.jetzt.de/glotzen/the-female-gaze-folge-5-die-rassistisch-sexistische-darstellung-von-ostasiatischen-frauen

Nhi Le, „Wieso Medien ihren Umgang mit Rassismus ändern müssen“, in: jetzt, 01.Dezember 2020; https://www.jetzt.de/the-female-gaze/the-female-gaze-das-deutsche-rassismusproblem-und-black-lives-matter

Polizeimeldung, „Gefährliche Körperverletzung und Beleidigung aufgrund rassistischer Motivation“, in: Der Polizeipräsident in Berlin; 27. April 2020; https://www.berlin.de/polizei/polizeimeldungen/pressemitteilung.926132.php

Sören Kittel, „Wie zwei Koreaner in Berlin Rassismus erleben“, in : Berliner Morgenpost, 12. Mai 2020; https://www.morgenpost.de/berlin/article229104191/Rassismus-in-Zeiten-der-Corona-Krise.html

Stuart Hall, Ideologie. Identität. Repräsentation, Hamburg 2004, 143-146.

Thủy-Tiên Nguyễn[@storiesbythuy], „Remember this?...”, …”, in: Instagram [Instagram-Post],11.11.2020; https://www.instagram.com/p/CHdWPZ9Hr_E/?igshid=1v0a045gdd127

Der Nachrichtensender „Welt“ hat ein Interview über Covid-19 am 28. Februar 2020 auf seinem YouTube-Kanal hochgeladen und während des gesamten Videos lang wurde das Bild der Gruppe von asiatisch gelesenen Menschen mit Mundschutz als Hintergrundbild der Nachricht benutzt. Als die Community dem Nachrichtensender „Welt“ auf das Problem dieser Bebilderung verwies, hat der Nachrichtensender „Welt“ lediglich die Funktion der Kommentare blockiert.

 

Auf der Instagram-Page der „Tagesschau“ wurde ein Beitrag am 15. Oktober 2020 über die neuen Infektionszahlen gepostet, wobei dieses Posting auch mit einer asiatisch gelesenen Person mit Maske bebildert wurde. „Thủy-Tiên Nguyễn“, die Koordinatorin des Medien-Projekts bei einem Netzwerk für Asiatisch-Deutsche Perspektiven „korientation“ hat der Tagesschau eine Kritikmail darüber geschickt, dass diese Bebilderung ein „rassistisches Framing“ beinhaltet. Sie hat danach eine Antwort der Tagesschau bekommen, wobei auf der Antwortmail stand, dass die Tagesschau „ein möglichst aktuelles Foto“ aus Deutschland wollte. Am Ende dieser Mail wurden zwei Instagram-Links geschickt, die zeigten, dass die Tagesschau vor zehn Monaten Instagram-Stories zu einer Kampagne „IchbinkeinVirus“ gemacht hat. [5]

 

Was bedeutet diese Antwort der Tagesschau? Ist diese ausgewählte Bebilderung gerechtfertigt, wenn die Tagesschau vor 10 Monaten solch eine Kampagne durchgeführt hat? Hat die Tagesschau die Aktion „ichbinkeinVirus“ wirklich ernst genommen? Hat sie den Sinn dafür wirklich verstanden? Verstehen sie, was für einen Einfluss sie dadurch haben und welche Auswirkung dies auf unsere Repräsentation in Deutschland hat?

Am 6. Juni 2020 hat Lilly Becker auf einer TV-Show „Schlag den Star“ eine unpassende Aussage gemacht. Die Show verlief wie bei einem TV-Battle und bei der zweiten Runde musste sie anhand von Bildern Prominente erkennen. Als der chinesische Politiker „Xi Jinping“ eingeblendet wurde, rief sie auf einmal „China! Ching Chang Chong!“. Viele Zuschauer fassten diese Aussage als rassistisch auf.[6] Bei dieser Show hatte sie ein Hashtag #BlackLivesMatter auf ihrem Arm in Großbuchstaben geschrieben.